Stand: 18.06.21 11:15 Uhr

ESC trotz Corona: Feldversuch unter den Augen Europas

Blas Cantó (Spanien) und seine Delegation tragen Masken im Backstage-Bereich. © EBU Foto: Andres Putting

Der Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam fand Corona-bedingt unter strengen Abstands-, Test- und Hygienemaßnahmen statt. Am Veranstaltungsort galten für alle Beteiligen strikte Sicherheitsmaßnahmen einschließlich regelmäßiger Corona-Tests. Zum Schutz der Künstlerinnen und Künstler, Delegationen und Produktions-Crews herrschte aber nicht nur am Veranstaltungsort, sondern auch außerhalb ein vorgeschriebenes Protokoll. So durften sich beispielsweise die Acts und ihre Begleiter nur in festgelegten Bereichen - sogenannten "Bubbles" - aufhalten. Insgesamt waren deutlich weniger Delegationsmitglieder und Pressevertreter vor Ort als in den Vorjahren. Jeder von ihnen wurde alle zwei Tage auf das Coronavirus getestet.

Großevent unter Pandemie-Bedingungen: Feldversuch mit Publikum

Das niederländische Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft hatte Ende April in Den Haag bestätigt, dass bei allen ESC-Shows auch Publikum zugelassen wird. In den drei Live-Shows und den sechs öffentlichen Proben durften jeweils 3.500 Zuschauer dabei sein. Das entsprach etwa 20 Prozent der Kapazität der Ahoy Arena in Rotterdam. Die European Broadcasting Union (EBU) führte - gemeinsam mit der niederländischen Regierung und dem verantwortlichen Sender NPO - den ESC als sogenanntes Fieldlab-Event durch. Dabei sollte wissenschaftlich untersucht werden, wie Großevents unter Pandemie-Bedingungen ablaufen können.

Corona-Tests und Sitzplätze

Alle Fans, die in die Halle wollten, brauchten einen negativen Corona-Test, der am Tag der Show von einem bestimmten Anbieter durchgeführt wurde. Dazu sollten sich die Gäste fünf Tage nach der Show noch einmal testen lassen. Außerdem mussten sie Masken tragen, solange sie nicht am eigenen Platz saßen. Dafür entfiel der Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen in der Halle. Da in Rotterdam der Greenroom mit den Künstlern in der Hallenmitte aufgebaut war, gab es nur Sitzplätze auf den Tribünen. Karten konnten nur diejenigen kaufen, die bereits Tickets für den abgesagten ESC 2020 hatten. Menschen, die zu einer Corona-Risikogruppe gehören, Menschen mit Vorerkrankungen und über 70-Jährige waren vom Besuch der Shows ausgenommen.

ESC-Supervisor: Die Welt schaut auf den ESC

Martin Österdahl, ab April 2020 der Executive Supervisor des Eurovision Song Contest. © Sören Vilks Foto: Sören Vilks

ESC-Supervisor Martin Österdahl freut sich über die Entscheidung für Publikum.

Man nehme die Verantwortung für die Sicherheit des Publikums nicht auf die leichte Schulter, sagte ESC-Supervisor Martin Österdahl vor dem ESC: "Die Welt wird zusehen, wenn wir den Eurovision Song Contest zurückbringen. Auch wenn Millionen den Wettbewerb im TV und online verfolgen, sind wir froh, dass die Künstler, Delegationen und das Team ihre harte Arbeit auch mit einem Live-Publikum in der Ahoy Arena teilen können."

Australien nicht vor Ort, Island ohne Live-Auftritte

Daði og Gagnamagnið und Bandkollegen (Island) im Hotel  in Rotterdam.  Foto: Gisli Berg

Statt auf der Bühne zu sein, verfolgten die Isländer das Finale in Quarantäne im Hotel und hatten ihren Corona-positiv getesteten Mitmusiker per Tablet dazugeschaltet.

Da ein Mitglied der isländischen Band Daði og Gagnamagnið positiv auf Corona getestet wurde, konnte die Band im zweiten Halbfinale nicht live auftreten. Stattdessen hat sie mit ihrem aufgezeichneten Auftritt aus der zweiten Probe teilgenommen. Dem Erfolg der Isländer, die stets zu den Favoriten zählten, hat das mit Platz vier am Ende im Finale nicht geschadet.
Nach seinem Auftritt im ersten Halbfinale sollte es auch im Finale ein Wiedersehen mit Duncan Laurence, ESC-Gewinner von 2019 in Tel Aviv, live auf der Bühne geben. Er wollte seine neue Single vorstellen sowie seinen ESC-Siegersong "Arcade" performen. Am 20. Mai teilte die EBU jedoch mit, dass Laurence positiv auf Corona getestet wurde. Aufgrund der Mindestisolationszeit von sieben Tagen konnte er daher nicht live in der Ahoy Arena auftreten, ein Auftritt vom Band wurde dafür in der Show gezeigt.
37 von 39 Ländern traten live in Rotterdam auf. Australien hatte die Reise in die Niederlande aufgrund der Corona-Pandemie schon im Vorfeld abgesagt. Daher nahm Montaigne am ersten Halbfinale per Live-on-Tape-Performance teil, einem vorproduzierten Video, das alle Acts im Vorfeld bei der EBU einreichen mussten, für den Fall, dass ein Live-Auftritt auf der Bühne in Rotterdam nicht möglich ist. Sie hatte damit weniger Glück als die Isländer und konnte sich für das Finale nicht qualifizieren.

Mehr als 24.400 Tests - 16 positiv

Laut EBU wurden seit dem 6. April, dem Beginn der Vorbereitungen für den ESC, mehr als 24.400 Tests bei Mitarbeitern der Produktion, freiwilligen Helfern, Künstlern, Delegationsmitgliedern und Pressevertretern durchgeführt. Bis zum 20. Mai gab es 16 positive Tests, was 0,06 Prozent entspricht. In den meisten Fällen stammten sie von Personen, die zuvor noch nicht am Veranstaltungsort waren oder in letzter Zeit nicht dort gewesen waren. Bisher wurden keine Infektionen eindeutig auf den Veranstaltungsort zurückgeführt.

Erste Ergebnisse des Feldversuchs veröffenlicht

Knapp einen Monat nach dem ESC gibt es erste Ergebnisse des niederländischen Feldversuchs. Danach haben sich bei den neun Shows (sechs öffentliche Proben, zwei Semifinals und großes Finale) vermutlich 48 von knapp 30.000 Besuchern mit dem Corona-Virus infiziert. Die Daten basieren auf Zahlen, die von verschiedenen niederländischen Gesundheitsämtern zur Verfügung gestellt wurden, so die Initiative Fieldlabs Events. Die Zahlen umfassen nur die Besucher des Eurovision Song Contests, nicht den Ausrichter, Delegationen, Presse oder Volunteers. Noch im Monat Juni will Fieldlab Events eine genaue Statistik veröffentlichen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 22.05.2021 | 21:00 Uhr