Stand: 16.12.19 18:56 Uhr

ESC-Rekordkonzert in Amsterdam begeistert Fans

Das Publikum schwenkt Fähnchen bei "Het Grote Songfestivalfeest" 2019 in Amsterdam.  Foto: Paul Bergen

Wie beim echten ESC: Das Publikum der Show schwenkt kleine Fähnchen der Herkunftsländer der Acts.

"Het Grote Songfestivalfeest" in Amsterdam war ein Konzert, das einen Rekord gebrochen hat. 22 ehemalige ESC-Sieger auf einer Bühne, dazu noch weitere Teilnehmer und eine Liveband - das gab es vorher noch nie. Nicht einmal bei den offiziellen EBU-Jubiläumskonzerten, etwa zum 25. Jubiläum im norwegischen Mysen, zum 50. in Kopenhagen oder zum 60. in London, waren so viele ESC-Sieger bei einem Konzert. Die Show in Amsterdam wurde von der niederländischen Rundfunkgesellschaft AVROTROS mit einer Produktionsfirma realisiert und läuft am 1. Januar 2020 im niederländischen Fernsehen. Die weit über 10.000 Live-Zuschauer im Ziggo Dome, der größten Indoor-Arena des Landes, hatten aber schon in der Halle ihre besonderen ESC-Momente.

Lenny Kuhr und Johnny Logan: Noch immer geliebt

Lenny Kuhr, niederländische ESC-Siegerin von 1969, auf der Bühne von "Het Grote Songfestivalfeest" 2019 in Amsterdam.  Foto: Paul Bergen

Vor 50 Jahren gewann Lenny Kuhr den ESC in Madrid. Vor heimischem Publikum in Amsterdam fühlt sie sich sichtlich wohl.

Lenny Kuhr etwa sorgte für Gänsehaut. Die Siegerin von Madrid 1969 sang ihre dramatische Ballade "De troubadour" noch immer genauso eindringlich wie vor 50 Jahren. Das Publikum schmetterte ihr den Refrain schon entgegen, als die mittlerweile 69-jährige Sängerin mit ihrem Lied noch nicht einmal angefangen hatte. Nach wie vor überzeugt auch Johnny Logan mit seiner Stimme. Der Ire performte seine zwei ESC-Siegertitel und hielt vor allem bei "Hold Me Now" von 1987 die Töne beeindruckend lange. Beeindruckend auch das Outfit des 65-Jährigen: Glitzerhose und ein sehr tiefer Ausschnitt. Stimmungsvoll geriet der Auftritt von Katrina Leskanich, die mit ihrer Band Katrina & The Waves 1997 in Dublin für Großbritannien (UK) gewinnen konnte. Ihren Song "Love Shine A Light" bezeichnete sie in einem Interview mal als "zu kitschig, zu ABBA". Doch für den ESC war er perfekt und auch in Amsterdam sang ihn die ganze Halle mit ihr. Nur bei ihrem Auftritt erleuchteten noch Handylichter aus dem Publikum den Ziggo Dome.

Dana International stürzt fast auf der Treppe

Edsilia Rombley, Moderatorin des ESC 2020, auf der Bühne von "Het Grote Songfestivalfeest" 2019 in Amsterdam.  Foto: Paul Bergen

Edsilia Rombley (l.) moderiert 2020 den ESC in Rotterdam und sorgte auch beim Konzert in Amsterdam für gute Stimmung.

Doch nicht alle Künstler überzeugten mit ihrem Gesang. Erstaunlich viele - vor allem ältere Sieger - griffen auf Vollplayback zurück. Besonders schade war der Auftritt von Dana International, Israels Siegerin von 1998. Nicht nur, dass sie zu ihrem Song "Diva" nur die Lippen bewegte - bei ihrem Versuch, die 24 Stufen der Showtreppe hinunterzugehen, kam sie deutlich ins Straucheln und konnte sich gerade noch am Geländer retten. Immerhin stürzte sie nicht, so wie beim ESC 1999, während sie die Siegertrophäe in Jerusalem übergeben wollte. Izhar Cohen verließ sich auch aufs Playback und brachte eine sehr ungewohnte Dance-Version seines 1978er-Siegersongs "A-ba-ni-bi" nach Amsterdam. Dieser Teil des Konzertes war ausbaufähig, setzten die Veranstalter auch sehr viele ähnliche Titel hintereinander. Nach vier französischen Songs, davon drei schweren Balladen in Folge, rettete Moderatorin Edsilia Rombley dann die Stimmung im Publikum. Rombley, die den ESC 2020 in Rotterdam moderieren wird, performte ihre beiden energiegeladeneren ESC-Songs "Hemel & Aarde" und "On Top Of The World".

Duncan Laurence nicht vor Ort, nur ein Olsen Brother

Selbst Künstler, die es nicht nach Amsterdam schafften, waren präsent. So etwa Helena Paparizou, Siegerin von 2005, die eine humorvolle Videobotschaft schickte. Sie war zuerst als Künstlerin angekündigt, musste nun aber gleichzeitig Jurymitglied in einer Livesendung von "The Voice Of Greece" sein. Duncan Laurence schickte leider keine Botschaft. Der aktuelle niederländische Gewinner aus Tel Aviv 2019 hatte am gleichen Abend ein Konzert in Oslo. Von den im Jahr 2000 siegreichen dänischen Olsen Brothers konnte nur Jørgen vor Ort sein. Niels Olsen musste krankheitsbedingt passen. Auch Nikki, der weibliche Part des Siegerduos von Düsseldorf 2011, fehlte. Der Aserbaidschaner Ell sang das schmachtende "Running Scared" stattdessen mit einer ehemaligen ESC-Kandidatin der Niederlande.

Verka Serduchka und Eleni Foureira sind Fan-Lieblinge

Ruslana, ukrainische ESC-Siegerin von 2004, auf der Bühne von "Het Grote Songfestivalfeest" 2019 in Amsterdam.  Foto: Paul Bergen

Mit wilden Tänzen hat Ruslana 2004 den ESC gewonnen. Mit Peitschen und Pyro tritt sie in Amsterdam auf.

In diesen Abend von ESC-Größen reihte sich auch Nicole perfekt ein. Die erste deutsche ESC-Siegerin sang „Ein bisschen Frieden“ auf Deutsch und Niederländisch - so wie auch schon in ihrer Siegerperformance in Harrogate 1982. Ruslana, Siegerin 2004 in Istanbul, legte mit ihren Tänzern die gewohnt temporeichen "Wild Dances" hin. Am Ende des Abends waren aber kurioserweise die Auftritte der Zweitplatzierten bei diesem selbsternannten Konzert der Sieger die Highlights: Mahmood (2019), Verka Serduchka (2007) und Eleni Foureira (2018) konnten bei den ESC-Fans punkten und kosteten ihre Performances richtig aus. Als einzige Künstlerin mit hohen Schuhen bewältigte Eleni Foureira die Showtreppe ohne Geländer. Mit Loreens "Euphoria" aus dem Wettbewerb in Baku 2012 endete dieser alles in allem gelungene Vorgeschmack auf Rotterdam 2020.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 21.12.2019 | 19:05 Uhr