Stand: 12.03.19 14:45 Uhr

Israel - Misserfolge kennzeichnen die 2000er

In Tel Aviv wird Israel als Gastgeber seine 42. ESC-Teilnahme feiern. Sein Debüt gab das Mittelmeer-Land 1973 in Luxemburg. Israels damalige TV-Anstalt IBA durfte an der zunächst europäischen Fernsehshow teilnehmen, weil die 1950 gegründete European Broadcasting Union, kurz EBU, immer schon ein öffentlich-rechtliches TV- und Radionetzwerk über die geografischen Grenzen Europas hinaus war.

Zweck der EBU war zunächst, TV-Filme auszutauschen und den Mitgliedssendern - besonders im Nachrichtenbereich - rasch und unkompliziert Bildmaterial zur Verfügung zu stellen. Als der ESC erstmals 1956 im schweizerischen Lugano ausgetragen wurde, war das Fernsehen ein sehr junges Medium. Fernsehgeräte waren kaum verbreitet. Inzwischen sind 56 Länder mit 72 Sendern in der EBU vernetzt und der ESC ist die populärste gemiensame TV-Show. Israel hat während seiner inzwischen fast 46 Jahre währenden ESC-Geschichte vier Mal gewonnen, zwei Mal belegte es den zweiten Platz, einmal wurde das Land Dritter - insgesamt belegt es in der Erfolgsstatistik den sechsten Rang.

Nach Dana International nur wenig Erfolg

Der israelische Sänger Lior Narkis im Finale des Eurovision Song Contest 2003 in Riga. © (c) dpa

Über einen 19. Platz kam Lior Narkis 2003 im lettischen Riga nicht hinaus.

Nachdem sich der TV-Sender IBA 1998 in einer internen Auswahl für Dana International entschied und die Künstlerin den Song Contest in Birmingham gewann, verzichtete der Sender in den folgenden Jahren fast immer auf einen Vorentscheid. Zwischen 1998 und 2004 richtete Israel nur 2001 einen "Kdam Eurovison" aus. Doch die ausgewählten Künstler konnten bis auf den fünften Platz von Eden 1999 nicht an die Erfolge von Dana International anknüpfen.

Ohne die Rückendeckung des Publikums fuhr Lior Narkis 2003 mit "Words For Love" nach Riga und belegte mit seinem alles in allem überhörbaren Midtempo-Song nur einen mittelprächtigen 19. Rang. David D’Or schaffte es im Jahr darauf trotz klassischer Stimmarrangements nicht einmal ins Finale.

Die israelische Sängerin Shiri Maimon im Finale des Eurovision Song Contest 2005 in Kiew. © DPA Bildfunk

Shiri Maimons vierter Platz war bis zum ESC-Sieg von Netta das beste israelische Resultat in diesem Jahrtausend.

Für den Songcontest im Jahr 2005 wurde deshalb wieder eine Vorentscheidung veranstaltet - und das zahlte sich gleich aus: Shiri Maimon, eine sympathische Sängerin, gab in einem güldenen Kleid das Bild der klassischen Drama-Diva. Mit ihrem Titel "Hasheket Shenish’ar", was auf Deutsch "Die Stille, die bleibt" bedeutet, kam sie auf einen sehr guten vierten Platz. Damit erzielte sie die erste Top-10-Platzierung des Jahrtausends. Und das obwohl in vielen israelischen Medien vor dem ESC in Kiew die Frage aufgeworfen wurde, ob Israel es überhaupt ins Finale schaffen würde. Vor dem Hintergrund der Zweiten Intifada wurde von den Israelis damals eine stärker werdende anti-israelische Stimmung in Europa wahrgenommen. Doch für Shiri Maimon und viele, die nach ihr von Israel aus nach Europa reisten, lässt sich sagen, dass diese Vermutung nicht zutraf. Wenn ein Lied aus Israel dem Publikum gefiel, dann schaffte es den Sprung ins Finale. Andernfalls hätte Netta 2018 auch nicht mit ihrem entzückenden "Toy" gewonnen.

Teapacks polarisiert

Nachdem der Vorentscheids-Sieger von 2006 Eddie Butler mit seinem Allerweltstitel "Together We Are One" Vorletzter wurde, entschied der Sender IBA sich 2007 wieder für eine interne Auswahl. Die Formation Teapacks wurde mit ihrem Lied "Push The Button" ausgewählt.

Die israelische Band Teapacks beim Halbfinale des Eurovision Song Contest 2007 in Helsinki. © DPA Bildfunk

In "Push The Button" warnen Teapacks vor gefährlichen Führern.

Wegen der Anspielung auf Knöpfe, die gedrückt werden können, um Bomben zu zünden, forderte die EBU Kobi Oz, den Produzenten des Liedes und Frontmann der Gruppe, auf, das Lied zu entschärfen. Die EBU sah das Lied vor dem Hintergrund der noch jungen Waffenruhe mit dem Ende der Zweiten Intifada als zu politisch für ein Eurovisionsfestival an. Die daraufhin folgende Debatte erhitzte die israelische und die europäische Öffentlichkeit. Oz erwiderte, sein Lied spiele generell auf das Lebensgefühl vieler Menschen auf der Welt an. Es würde unterschiedliche Formen von Gewalt geben und das könne auch in populärer Musik thematisiert werden. Der israelische TV-Sender IBA blieb aber stets loyal zu seinen Kandidaten und griff, trotz etlicher Wutanfälle und Schreidramen hinter den Kulissen, nicht in die künstlerische Freiheit Teapacks ein. Am Ende ließ die EBU das Lied ohne Änderungen zu.

Genützt hat das öffentliche Scharmützel nichts. Teapacks scheiterten in Helsinki bereits im Halbfinale. In Israel selbst blieb die Band aber über den Song Contest hinaus populär. Ihre Musik wird auch heute noch oft im Radio gespielt. Nach einer vierjährigen Pause gehen sie seit 2013 auch wieder gemeinsam auf Tour. Durch Kobi Oz exzentrischen Stil und ihre erfrischende tanzbare Musik, aus der orientalische wie osteuropäische Einflüsse herauszuhören sind, gehören sie zum Establishment der israelischen Musikszene.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 30.03.2019 | 19:05 Uhr