Für Italien steht Mahmood mit "Soldi" auf der ESC-Bühne. © eurovision.tv Foto: Thomas Hanses
Stand: 19.05.19 02:39 Uhr

Mahmood singt über Vater-Sohn-Beziehung

"Musik ist wichtiger als Politik", sagt Mahmood und bringt damit einen wichtigen ESC-Grundsatz auf den Punkt: Der Eurovision Song Contest in Israel ist in erster Linie ein Gesangsfestival, bei dem politische Botschaften eine untergeordnete Rolle spielen sollten. In Tel Aviv kommt er für sein Heimatland Italien mit dem Song "Soldi" (Geld) auf den zweiten Platz. Im Vorfeld sind vor allem rechte Politiker nicht einverstanden mit dem diesjährigen Sanremo-Sieger: Sowohl Innenminister Matteo Salvini als auch Wirtschaftsminister Luigi Di Maio versuchen den Erfolg Mahmoods, der ägyptische Wurzeln hat und mit einer Wildcard an den Start gegangen ist, zu instrumentalisieren. So twittert Salvini kurz nach dessen Sieg, der Falsche habe gewonnen, und Di Maio regt sich über die elitäre Jury auf, die dem Mailänder zum Titel verhalf. Beide sind bekannt für ihre restriktive Einwanderungspolitik und so stehen schnell Rassismusvorwürfe im Raum. Ermal Meta, der mit Fabrizio Moro im vergangenen Jahr für Italien teilnahm, versucht die Wogen zu glätten: "Musik sollte keinen Pass haben."

Für Italien steht Mahmood mit "Soldi" auf der ESC-Bühne. © picture alliance Foto: Ilia Yefimovic

Italien: Mahmood - "Soldi"

Eurovision Song Contest -

Der Italiener Mahmood beschwert sich in "Soldi" darüber, dass es immer nur ums Geld geht. Verschwommene Schatten auf der Videoleinwand komplettieren die düstere Atmosphäre.

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Mahmood leidet unter der Scheidung der Eltern

Mahmood, Italiens ESC-Teilnehmer 2019 © picture alliance / Pacific Press Foto: Pamela Rovaris

Mahmoods Künstlername ist ein Wortspiel aus seinem Nachnamen Mahmoud und "my mood".

Mahmood heißt mit bürgerlichem Namen Alessandro Mahmoud. Er kommt in Mailand als Sohn einer sardischen Mutter und eines ägyptischen Vaters zur Welt. Er wächst in Gratosoglio, einer Vorstadt der Modemetropole, auf. Als Kind erlebt Mahmood die Trennung seiner Eltern, er leidet unter dem fehlenden Kontakt zu seinem Vater. Mit zwölf Jahren bekommt der junge Alessandro seinen ersten Gesangs- und Gitarrenunterricht, außerdem lernt er Klavierspielen. Nach dem Abitur studiert Mahmood am Professional Music Center in Mailand. 2012 nimmt er an der Castingshow "X Factor" teil. Vier Jahre später tritt er als Sänger erstmals beim Sanremo-Festival in Erscheinung, mit "Dimentica" erreicht er den vierten Platz.

2018 gelingt Mahmood als Songwriter mit "Nero Bali" sein bisher größter Erfolg. Der Titel, präsentiert von Elodie, Michele Bravi und dem Rapper Guè Pequeno, ist der italienische Sommerhit des Jahres. 2019 geht es weiter bergauf: Im Februar 2019 gewinnt Mahmood durch die Stimmen der Jury das 69. Sanremo-Festival, kurz darauf erscheint sein erstes Album "Gioventù bruciata" (Verbrannte Jugend). Es klettert in den italienischen Album-Charts unmittelbar auf Platz eins.

Mahmood

Bürgerlicher Name: Alessandro Mahmoud
Geburtstag: 12. September 1992
Geburtsort: Mailand, Italien
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ESC-Song "Soldi": Wie Geld eine Familie verändert

Der moderne Elektro-Poptitel "Soldi" über Mahmoods Vater-Sohn-Beziehung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Dardust und dem Produzenten Charlie Charles, beide sind in Italien sehr populär. In dem auf Italienisch gesungenen Lied mit einer arabischen Textzeile geht es um einen jungen Mann, der erkennen muss, dass sein Vater, der getrennt von der Familie lebt, kein Interesse an ihm hat und nur Geld von ihm will. Wie Geld eine Familie verändern kann, darüber verspüre er mehr Groll als Trauer, sagt Mahmood in einem Interview. "Soldi" ist in Italien inzwischen ein Megahit und steht an der Spitze der Charts. Das Stück klingt durch seine Rap-Elemente sehr abwechslungsreich und es spielt mit verschiedenen Tempi. Mahmoods facettenreiche Stimme unterstützt die eingängige Melodie perfekt.

Zu seinem Vater hat Mahmood inzwischen wieder regelmäßiger Kontakt. Dieser habe ihm auch zu seinem Sieg bei Sanremo-Festival beglückwünscht, erzählt der 26-Jährige im Interview mit Wiwibloggs. Vielleicht gebe es sogar mal ein gemeinsames Essen. Das klingt ein bisschen nach einem familiären Happy End. Vielleicht gibt es auch in Israel ein glückliches Ende, wenn der mitfavorisierte Mahmood den Sieg nach Italien holt - und die Stimmen der Salvinis und Di Maios verstummen lässt.

Mahmood gewinnt Sanremo-Festival vor Ultimo

Mahmood nach seinem Sieg beim Sanremo-Festival © RAI

Mahmood hat eine Wildcard für das Sanremo-Festival bekommen.

Zum ersten Mal seit 1984 verzichtete das Sanremo-Festival auf die Newcomerkategorie "Nuove Proposte", aus der in der Vergangenheit Erfolgssänger wie Eros Ramazzotti und Andrea Bocelli hervorgegangen waren. Die zählten dafür zu den Stargästen - neben den ehemaligen ESC-Teilnehmern Umberto Tozzi & Raf (1987 in Brüssel), Fausto Leali (1989 in Lausanne) und Marco Mengoni (2013 in Malmö). Enrico Ruggieri (1993 in Millstreet) und die Vorjahresteilnehmer Ermal Meta und Fabrizio Moro wirkten dagegen als Duettpartner am vierten Festivalabend mit. Im Gegenzug gab es deutlich weniger ausländische Stars als gewohnt, was vielleicht auch die leicht rückläufigen Einschaltquoten erklärt. Am Ende eines wie immer sehr langen Abends hatte Mahmood vor Ultimo und Il Volo die Nase vorn.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 18.05.2019 | 21:00 Uhr