Stand: 07.04.19 21:20 Uhr

Eurovision in Concert: Die größte ESC-Party des Jahres

Ein Eurovision Song Contest beginnt pünktlich! Und so auch die Pre-Partys. Eurovision in Concert startet um Punkt 20 Uhr. Die Hymne erklingt und Dana International, die Siegerin von Birmingham 1998, eröffnet den Abend mit ihrem ESC-Siegertitel "Diva". 4.500 Fans in der Konzerthalle AFAS Live in Amsterdam sind jetzt schon begeistet. Nach Dana International kommen auch TV-Moderator Cornald Maas und Marlayne Sahupala, die 1999 für die Niederlande antrat, auf die Bühne - die Gastgeber des Abends. Kurzer Talk mit Dana über die jetzige Favoritenrolle der Niederlande für den ESC. Dana würde sich freuen, wenn Duncan Laurence gewinnt, sagt sie. Sie würde gerne im nächsten Jahr als Moderatorin des ESCs dabei sein. Oder halt als Make-Up-Artist: "Hauptsache, ich bin ein Teil des Events!" Dieses Jahr wird sie am Finale des ESCs in Tel Aviv teilnehmen, verrät sie. Danach sagt sie ihren Landsmann Kobi Marimi an, der der erste Teilnehmer des diesjährgien Wettbewerbs an diesem langen Abend in der AFAS Live ist.

Armenien und Großbritannien stark

Die polnische Gruppe Tulia bei Eurovision in Concert Amsterdam.

Tulia aus Polen haben keine Probleme. Ihre Stimmen harmonieren bei Eurovision in Concert.

Kobi Marimis Auftritt beginnt mit einer Panne. Nach Sekunden bricht er ab, weil er sich selbst in seinem In-Ear nicht hören kann. Bis zur Pause stehen 14 Acts auf der Bühne. Deutlich gewinnen können unter anderen Srbuk aus Armenien und Michael Rice aus Großbritannien. Srbuks Auftritt ist sehr dynamisch - während ihr Musikvideo zu "Walking Out" eher chaotisch und überladen wirkt. Michael Rice schafft es mit "Bigger Than Us" das Publikum mitzureißen, was mit einer Ballade ja immer schwieriger ist, als mit schnellen Songs. Katherine Duska aus Griechenland überzeugt besonders mit den langen Tönen in "Better Love", sie holt aber noch nicht alles aus ihrer Stimme raus. Den gegensätzlichen Weg wählt Zena aus Weißrussland. Ihr "Like It" sollte später am Abend oft ins Schrille abgleiten. Tulia aus Polen hingegen singen ihr "Fire Of Love (Pali się)" sehr ordentlich. Falsch gesungen könnte dieser Song auch schnell schrill wirken.

Probleme bei Eliot, Party mit Miki

Der Belgier Eliot bei Eurovision in Concert 2019 in Amsterdam.

Eliot aus Belgien hat offensichtlich technische Probleme, zieht seinen Auftritt aber dennoch durch. Die Fans feiern seinen Song "Wake Up".

Spannend ist es immer, wie ein DJ-Act auf der ESC-Bühne aussieht, da die Musik ja vom Band kommt. Darude ist bei Finnland für die Party zuständig, während Sebastian Rejman singt. Darude reißt bei "Look Away" die Arme hoch, springt, animiert das Publikum - und tut beim letzten Refrain auch gar nicht mehr so, als müsse er als DJ arbeiten. Zusammen mit dem Sänger steht er am Bühnenrand und feiert mit. Ruhiger wird es bei Eliot aus Belgien. In den vergangenen Jahren hatten Belgiens Acts oft Probleme bei Pre-Partys, zu zeigen, wie gut sie eigentlich singen können. Eliot geht es genauso. Bei "Wake Up" liegt er stimmlich oft daneben, hat aber offensichtlich ebenfalls Probleme mit dem In-Ear und greift sich sehr oft ans Ohr. Die Zuschauer in Amsterdam sind vor allem für Partysongs dankbar. Das merkt man leider daran, dass viele Acts auch nur mäßig beklatscht werden. Besonders leidtun kann es einem für die Serbin Nevena Božović, die sehr gut gesungen hat. Auf "Kruna" hat allerdings offenbar niemand so wirklich gewartet. Der Gegensatz folgt sofort: Spaniens Miki schickt das Publikum mit "La venda" und einem schwungvollen Auftritt in die Pause.

Zwischenapplaus für die S!sters

Das deutsche Duo S!sters (Carlotta Truman & Laurita) auf der Bühne bei Eurovision in Concert 2019 in Amsterdam.

Am Anfang stehen die S!sters noch weit auseinander, aber zum Ende des Liedes finden Carlotta Truman und Laurita auf der Bühne zusammen.

Deutschlands Kandidatinnen S!sters haben schon sehr früh Feierabend. An Startplatz fünf betreten Carlotta Truman und Laurita die Bühne. Sie stehen zu Beginn ihres Songs "Sister" weitestmöglich auseinander. Zuerst schauen sie nach vorne ins Publikum, dann sich gegenseitig an. Stimmlich klingen sie gut, auch wenn Laurita zu Beginn des Refrains ihren Einsatz verpasst. Der Song berührt. Nach dem ersten Refrain gibt es einen Zwischenapplaus. In der zweiten Strophe gehen die beiden S!sters dann aufeinander zu. Im Hintergrund sieht man grau-silberne Säulen und Schwarz-Weiß-Bilder von Frauen, ganz so wie im Vorentscheid. Nach dem Auftritt nehmen sie sich kurz in den Arm. Laurita ruft "We love you" ins Publikum, Carlotta ein niedliches "Tschüss".

Nicole wird Publikumsliebling

Nicole auf der Bühne bei Eurovision in Concert 2019.

Deutschlands erste ESC-Siegerin Nicole begeistert Amsterdam sowohl mit "Ein bisschen Frieden" als auch mit einem deutschsprachigen Medley aus Siegersongs.

Die Ehre, nach der Pause zu eröffnen, gebührt Nicole, Deutschlands Siegerin von 1982. Sie singt ihr "Ein bisschen Frieden" moderner arrangiert. Sehr zur Freude der vielen Niederländer im Publikum spricht sie Niederländisch und singt a cappella auch den Refrain ihres ESC-Siegersongs in dieser Sprache. Danach darf sie noch ein Medley spielen. Nicole singt Klassiker wie "Waterloo" aber auch neue Siegertitel wie "Only Teardrops", den Gewinnersong von Emmelie de Forest von 2013 in Malmö, auf Deutsch - dann als "Tausend Tränen". Das Publikum ist in Stimmung für die 14 Acts, die jetzt noch kommen. Lake Malawi aus der Tschechischen Republik und Paenda aus Österreich sind die nächsten. Lange erwartet wurde der Auftritt von Island. Hatari singen "Hatrið mun sigra" mit wenig Kleidung, dafür viel Leder und Stacheln am Körper. Interessant ist es, wie die Kandidaten ihren Bühnenhintergrund gestalten. Joci Pápai aus Ungarn singt in "Az én apám" über seinen Vater - und im Hintergrund sieht man auf alt getrimmte Bilder von Vater und Sohn. Denken wir an Michael Schulte zurück, kein ganz neues Element auf einer ESC-Bühne. Kreativ auch Serhat für San Marino. Er singt sein "Say Na Na Na" und hinter ihm fahren zwei Frauen mit dem Auto durch ganz Europa und zeigen Sehenswürdigkeiten etwa aus Deutschland, Italien, Aserbaidschan. Oft allerdings erinnern die Hintergründe aber nur an die zufällige Visualisierung des Windows Media Players.

Niederländer zu siegessicher?

Duncan Laurence betritt die Presseveranstaltung zu Eurovision in Concert 2019 in Amsterdam.

Alle wollen Duncan! In den Niederlanden ist man sich der Favoritenrolle beim ESC 2019 bewusst.

Die Favoriten kommen, so wie immer bei Eurovision in Concert, ganz zum Schluss. Luca Hänni, Platz zwei bei den Wettanbietern, und Duncan Laurence, Platz eins, starten als Vorletzter und Letzter. Der einzige mit einer schon fertigen Tanzchoreografie ist der Schweizer Hänni, der sich bei "She Got Me" dafür aber weniger auf seine Stimme konzentriert. Das Publikum ist hin und weg - Hänni wird bejubelt und genießt seinen Auftritt, darf danach noch einen Refrain zum Playback wiederholen. Am lautesten wird die Menschenmenge aber erst danach. Duncan Laurence wird angekündigt und die Begeisterung im Publikum ist spürbar. Auch die Moderatoren kokettieren immer wieder mit einem Sieg der Niederlande 2019 - dem ersten seit 1975. An diesem Abend scheint ein Sieg der Niederlande beim ESC Formsache zu sein. Duncan singt großartig, verursacht Gänsehaut mit seinem Song "Arcade". Allerdings steht er die komplette Zeit auf einer sehr dunklen Bühne. Im Hintergrund sieht man Wasser, wie in seinem Musikvideo. Zu seinem Auftritt beim ESC sagt Duncan Laurence danach: "Der Fokus wird auf der Musik liegen, schließlich ist es ein Song Contest". Er mag damit Recht haben, allerdings sollte er das Visuelle in Tel Aviv nicht vernachlässigen. Eine komplett dunkle Bühne, auf der man den Sänger kaum erkennen kann, ist vielleicht nicht die beste Lösung.

Ein deutscher Abend in Amsterdam

Nach drei Stunden endet dieser Abend in Amsterdam, der, neben den S!sters und Nicole, noch ein schönes Detail für die deutschen Fans bereithält. Am Ende werden alle Kandidaten zu Joy Flemings "Ein Lied kann eine Brücke sein" vom ESC 1975 in Stockholm noch einmal auf die Bühne geholt. Laurita und Carlotta sind in der Bühnenmitte, feiern mit den anderen Kandidaten, tanzen zu "Making Your Mind Up" von Bucks Fizz. Viele kümmern sich jetzt noch um ihre Social-Media-Auftritte, machen Selfies mit dem Publikum. Am längsten dort bleiben Darude und Sebastian Rejman und geben Autogramme für die Fans. Wenn man nur den Jubel des Publikums als Maßstab nimmt, dann haben sich die derzeitigen Favoriten an diesem Abend in Amsterdam durchgesetzt. Unschlagbar - und das sollte allen anderen Kandidaten Hoffnung geben - sind sie aber nicht.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 27.04.2019 | 19:05 Uhr