Stand: 15.05.2016 00:59 Uhr  | Archiv

Jamala aus der Ukraine gewinnt den ESC 2016

Überraschungssieg beim 61. ESC in Stockholm: Die Ukrainerin Jamala gewinnt mit dem dramatischsten Titel des Abends. Ihr Song "1944" erzählt die traurige Geschichte ihrer Urgroßeltern, die unter Stalin von der Krim vertrieben wurden. Die Ukrainerin holt den Wettbewerb zum zweiten Mal in ihr Heimatland. 2004 gewann Ruslana mit "Wild Dances". Jamala setzte sich damit vor der Australierin Dami Im und dem Russen Sergey Lazarev an die Spitze der 26 Finalteilnehmer. Die deutsche Kandidatin Jamie-Lee landete trotz guter Performance auf dem letzten Platz.

VIDEO: Gewinnersong: Jamala - "1944" (3 Min)

Neues Abstimmverfahren bringt Spannung bis zum Schluss

In Stockholm gab es ein neues, zweiteiliges Abstimmverfahren, das bis zum Schluss für Spannung sorgte: Zunächst wurden die Punkte der Jurys verteilt. Demnach hätte Australien vor der Ukraine und Frankreich gewonnen. Die sich anschließende Wertung des Publikums wirbelte das Ergebnis noch einmal durcheinander und brachte Jamala an die Spitzenposition.

Favorit Sergey Lazarev nur Dritter

Punkteverteilung Stockholm
Schilder mit Ziffern © NDR, fotolia

Punkte der Jurys und Zuschauer

Das neue Votingsystem machte den Finalabend in Stockholm spannend. Die Tabelle zeigt die Unterschiede der Punkteverteilung von Jurys und Televoting. mehr

Bis zum Beginn der Proben in Stockholm hatte kaum jemand die Ukrainerin auf dem Radar. Seit Wochen galt der Russe Sergey Lazarev als Favorit. Auf der Bühne in Stockholm beeindruckte jedoch vor allem die bombastische Inszenierung seines Songs "You Are The Only One". Die Technikshow lief der gesanglichen Leistung des 33-Jährigen den Rang ab. Vielleicht ein Grund, warum er seinem Favoritenstatus nicht gerecht werden konnte.

Für die zweite große Überraschung des Abends sorgte die Kandidatin aus Down Under. Dami Im machte beim zweiten Start des ESC-verrückten Australien eine fantastische Figur. Die zierliche Sängerin beeindruckte mit einer großartigen Stimme. Ihre Ballade "Sound Of Silence" stieg im Laufe der Probenwoche in den Favoritenkreis auf und lag zuletzt in den Wettbüros auf Platz zwei hinter Sergey Lazarev. Im Finale überholte sie ihren Konkurrenten und landete auf dem zweiten Platz, wie es die Buchmacher vorhergesagt hatten. Damit konnte sie den sehr guten fünften Platz Guy Sebastians bei Australiens ESC-Einstand 2015 in Wien sogar noch toppen.

Gastgeber Schweden auf Platz fünf

Frans, der Kandidat des Gastgeberlandes Schweden, zeigte mit "If I Were Sorry" eine lässige Performance, die für angenehme Entspannung zwischen den vielen Bombast-Balladen sorgte. Zuschauer und Jury belohnten seine coole Liebeskummer-Nummer mit Platz fünf.

Grande Nation mischt endlich wieder mit

Amir aus Frankreich auf der ESC Bühne. © NDR Foto: Rolf Klatt
Der Franzose Amir gehörte zu den Publikumslieblingen.

Der Franzose Amir hat mit seinem beschwingten Feel-Good-Song "J'ai cherché" der Grande Nation endlich wieder zu einem Top-Ten-Platz verholfen. Er landete hinter Frans auf Rang sechs. In den vergangenen Jahren fanden sich unsere französischen Nachbarn beständig auf den hinteren Plätzen wieder. Der 31-jährige Amir ist Jude, hat nordafrikanische Wurzeln und ist in Israel aufgewachsen und damit ein perfekter Repräsentant der Völkerverständigungs-Idee des ESC.

Jamie-Lee trotz guter Leistung Letzte

Die 18-jährige Jamie-Lee meisterte ihren Auftritt vor etwa 200 Millionen Fernsehzuschauern bravourös. Gesanglich sicher und selbstbewusst präsentierte sie ihre melancholische Ballade "Ghost" - wie immer im schrillen Manga-Outfit. Trotzdem konnte sie weder die Jurys noch die Zuschauer überzeugen. Sie erhielt nur elf Punkte und landete wie die deutsche Ann Sophie 2015 auf dem enttäuschenden letzten Rang.

Justin Timberlake als Showact

Petra Mede und Vorjahressieger Måns Zelmerlöw moderieren den ESC. © NDR/Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt
Immer fesch angezogen und einen lockeren Spruch auf den Lippen: Die Moderatoren Måns Zelmerlöw und Petra Mede.

Durch die Show führte Vorjahressieger Måns Zelmerlöw und der schwedische Comedy-Star Petra Mede mit viel Witz und originellen Showeinlagen. Den größten Star des Abends kündigten die Moderatoren in der Abstimmphase an: Justin Timberlake präsentierte als Pausenact seinen neuen Song "Can't Stop The Feeling" und servierte eine schweißtreibende Show. Im Gespräch mit den Moderatoren outete er sich als Eurovision-Fan, der sich die vergangenen beiden Wettbewerbe angeschaut hat. Vielleicht hat nicht zuletzt seine Begeisterung dazu beigetragen, dass der ESC in diesem Jahr erstmals in den USA im Fernsehen ausgestrahlt wurde.

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Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr

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