Kommentar

Stand: 12.05.18 12:04 Uhr

Zypern, Israel oder doch Irland?

Netta auf der Bühne. © NDR Foto: Rolf Klatt

Israels Netta lag lange Zeit ganz weit vorne bei den ESC-Wetten.

Die Zeit vor einem ESC ist eine der Spekulationen, wie immer. Es wird gewettet, bis es glüht. Wobei die getroffenen Wetten, sei es im privaten Kreis oder bei internationalen Wettbüros, schnell wieder verworfen werden. Dann gab es die Fanclubs, die zwischen Mitte März und Anfang Mai ihre Tipps abgegeben haben. Bei ihnen lag die Israelin Netta Barzilai bis zum Schluss deutlich vorn.

Probentage in Lissabon verändern alles

Und dann kamen die Probentage in der Altice Arena - und danach sowie nach den Semifinals waren all diese Weissagungen Schall und Rauch. Von den Experten hatten nur sehr wenige damit gerechnet, dass die Belgierin Sennek im Finale gar keine Rolle mehr spielen würde, weil sie schlicht und ergreifend schon im Semi ausschied und alle weiteren Hoffnungen begraben musste.

Bei Jurys stehen die Resultate schon fest

Benjamin Ingrosso auf der Bühne. © NDR Foto: Rolf Klatt

Auch der Schwede Benjamin Ingrosso hat Chancen, weit vorne zu landen.

Die Jurys stimmten nach der zweiten Generalprobe am späten Freitagabend ab: Sie können ihre Abstimmung auch nicht mehr im Laufe des Finaltags verändern, die ESC-Verantwortlichen im Hintergrund haben ihre Ergebnisse längst eingespeichert. Vermutlich werden bei den Profis - aus solchen sind die Jurys in den 43 Ländern zusammengesetzt - Lieder vorne liegen, die ohne viel Spektakel so klingen, als könnten sie demnächst auch auf Popwellen im Radio laufen, etwa der Schwede Benjamin Ingrosso mit "Dance You Off".

Wie entscheidet das Publikum?

Eleni Foureira auf der Bühne. © NDR Foto: Rolf Klatt

Eleni Foureira wird mit "Fuego" als heiße Favoritin gehandelt.

Die für Zypern an den Start gehende Griechin Eleni Foureira mit ihrem mitreißenden Titel "Fuego" liegt bei den Buchmachern derzeit vorne, sie wird eine entscheidende Rolle heute Abend spielen. Ebenso die keineswegs abgeschlagene Netta aus Israel mit ihrem Song "Toy". Die eine erinnert an eine europäische Version von Beyoncé, die andere an eine jüngere Schwester von Beth Ditto. Beide bringen eher schwungvolle, sehr tanzbare Nummern.

Dancefloor oder Ballade?

Ryan O'Shaughnessy auf der Bühne. © NDR Foto: Rolf Klatt

Schafft Ryan O'Shaughnessy es mit seiner ruhigen Nummer zu überzeugen?

Aber der lachende Dritte beim Televoting könnte der Ire Ryan O'Shaughnessy sein. Seine Ballade "Together" ist neben der von Michael Schulte die ruhigste Nummer des Abends. Schon im Semifinale deutete sich an, dass die irische Art, einer Liebesgeschichte zweier Männer mit poetisch anmutendem Gesang Ausdruck zu verleihen, sehr gut ankommt.

Sie alle werden wohl den Sieg unter sich ausmachen. Zum erweiterten Favoritenkreis müssen indes auch noch die Franzosen Madame Monsieur gerechnet werden, ihr textlich melancholisch-fröhliches Lied "Mercy" kam gestern Abend in der Arena sehr gut an. Ebenfalls im Kreis der Mitfavoriten ist die Litauerin Ieva Zasimauskaité und ihr "When We're Old" - eine intensive, bedächtige Geschichte voller Anmut und Grazie.

Alles offen für Michael Schulte

Michael Schulte auf der Bühne. © NDR Foto: Rolf Klatt

Michale Schulte rauschte in den Wetten vor dem Finale rasant nach vorn - schafft er es in die Top Ten?

Und Michael Schulte? Alles ist offen. Er kam, im Hinblick auf die Wetten und Prognosen, aus den Tiefen der unteren Tabellenhälfte der ESC-Lieder 2018. Nun wird er für einen vierten bis sechsten Platz eingeschätzt: Gestern Abend sang er sein "You Let Me Walk Alone" stark. Er kann, wie alle Acts im Finale, sein Momentum haben: über sich hinauswachsen und sich wohlfühlen, egal, was es an Punkten am Ende bringt.

Weitere Informationen

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 12.05.2018 | 21:00 Uhr