Stand: 08.06.20 17:40 Uhr

Israelische Doku: Hinter den Kulissen des ESC 2019

Eine Netta-Figur aus Plastikspielzeug steht am Strand.  Foto: Claudia Timmann

Netta holt 2018 den ESC nach Israel. 2019 steht eine Netta-Figur aus Spielzeug im Eurovision Village von Tel Aviv.

Eine dreiteilige Dokumentation blickt erstmals hinter die Kulissen des Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv. Der israelische Rundfunk KAN veröffentlichte die Filme der renommierten Regisseurin Orna Ben-Dor Niv im Mai bei YouTube. Die Dokumentation "Dared To Dream" ist auf Hebräisch - für das internationale Publikum gibt es englische Untertitel. Die Filme begleiten die Produzenten und später auch die Moderatoren der Show vom Sieg Nettas in Lissabon 2018 bis zum Ende des ESC-Finales ein Jahr später. Jede der drei Episoden steht unter einem anderen Motto.

Teil 1: Netanjahu will Jerusalem - und nicht für den ESC zahlen

Blick auf den Felsendom und die Klagemauer in Jerusalem, Israel.  Foto: Claudia Timmann

Direkt nach Nettas Sieg waren sich viele israelische Politiker einig: Der ESC gehört nach Jerusalem.

Die erste Episode trägt den Titel "The Dreamers" und präsentiert das Produktionsteam des ESC 2019 als Träumer, die die große Show planen und dann davon überrascht werden, dass das Geld ein großes Problem werden könnte. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sich zwar über Israels ESC-Sieg gefreut und sogar Nettas "Chicken Dance" getanzt, dann aber die Zusage für die Finanzierung platzen lassen. Auch diverse Streiks stellen Producerin Zivit Davidovitch immer wieder auf die Probe. "Es sieht aus, als lebten wir in einer Bananenrepublik!", empört sie sich. Politiker sprechen sich im Vorfeld für Jerusalem als einzig möglichen Austragungsort aus. Am Ende des Rennens um die Gastgeberstadt gewinnt dann doch das weltoffene Tel Aviv.

Teil 2: ESC-Moderatorin Lucy Ayoub als Identifikationsfigur

Lucy Ayoub auf der Bühne bei Finale vom Eurovision Song Contest © eurovision.tv Foto: Thomas Hanses

Der zweite Teil der Dokumentation fokussiert sich auf Moderatorin Lucy Ayoub.

Im zweiten Teil, "The Bubble", hat Moderatorin Lucy Ayoub eine größere Rolle. Mit ihrem jüdisch-arabischen Hintergrund soll sie eine zentrale Identifikationsfigur für das moderne Israel sein. Der Film zeigt sie in ihrer Heimatstadt Haifa, in der sie im April für die Parlamentswahl 2019 wählen geht. Für das Team am Veranstaltungsort in Tel Aviv zählt aber ausschließlich, was beim ESC passiert. In den Liveshows darf es keinen Platz für Fehler geben. Das "Eurovisions-Land" entfernt sich immer weiter vom realen Leben in Israel. Schließlich schießen die Hamas Raketen auf Tel Aviv, während bereits Künstler auf der Bühne proben.

Teil 3: ESC als perfekte Show trotz all der Hindernisse

Bandmitglieder von Islands Hatari halten während der Punktevergabe Palästina-Schals hoch.  Foto: Screenshot

Im ESC-Finale provoziert die isländische Band Hatari mit Palästina-Bannern.

Der dritte Film, "Three Minutes Of Fame", dreht sich um die Finalwoche in Tel Aviv. Die Produzenten eint der Wunsch, TV-Geschichte zu schreiben. Man sieht die Mitglieder der Regie bei Mahmoods "Soldi" mitklatschen oder zu "Say Na Na Na" von Serhat mitsingen. Die Moderatoren werden im Film beim Lernen ihrer Texte gezeigt, aber auch in nachdenklichen Momenten. Bar Refaeli muss sich beim Auftritt der Shalva Band im zweiten Halbfinale eine Träne wegwischen und Lucy Ayoub hat Angst, den Druck ihrer ersten großen Liveshow nicht aushalten zu können. Der erfahrene Producer Christer Björkman muss am Finaltag wegen eines Blutgerinnsels ins Krankenhaus und verpasst die Show. Laut der Filmemacher haben die Produzenten für einen perfekten ESC gesorgt. Dass die Europäische Rundfunkunion das Endergebnis am Ende wegen fehlerhafter Berechnungen korrigieren muss oder wie die isländische Band Hatari im Finale Palästina-Banner hochhält, findet keine Erwähnung. Der Film endet mit Eden Alene, Israels vermeintlicher Kandidatin für 2020, die gesagt bekommt, dass sie 2021 an den Start gehen darf.

Noch mehr Dokus über den ESC 2019 gedreht

"Dared To Dream" von KAN ist nicht die einzige Dokumentation rund um den ESC 2019. Der finnische Sender Yle lässt in "Eurovision Diaries" Fans auf der ganzen Welt zu Wort kommen und begleitet sie, wie sie den Wettbewerb erleben. Außerdem wird es eine Dokumentation über Hatari geben. Sie heißt "A Song Called Hate", wurde vom isländischen Rundfunk RÚV sowie vom Staat mitfinanziert und zeigt den Weg der umstrittenen Band vom Sieg beim Vorentscheid bis nach Israel und Palästina. Ein Starttermin für diesen Film steht noch nicht fest.

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | ESC Update | 27.06.2020 | 19:05 Uhr