Stand: 11.05.16 00:25 Uhr

Jan Feddersen kommentiert das erste Halbfinale

Die Sängerin Gabriela Gunčíková aus der Tschechischen Republik schaut beim Singen lächelnd zur Seite und streckt einen Arm aus © NDR Foto: Rolf Klatt

Überraschung des ersten Halbfinales: die Tschechin Gabriela Gunčíková.

Wer es mit Omen und Abergläubischem hat, könnte sagen: Maltas Ira Losco ist eine der großen Favoritinnen im Finale. Sie war die zehnte und letzte der Liste, die Moderatorin Petra Mede vorzulesen hatte - es waren alle Kandidaten, die es ins Finale geschafft haben. Vor zwei Jahren war Conchita Wurst in ihrem Semi auch als Letzte aufgerufen worden - als sie schon dachte, wie andere ausgesiebt worden zu sein. Die Erfahrung zeigt: Es schafften vor allem jene den Sprung ins Finale, die die Bühne zu ihrer Sache machten, die souverän wirkten und nie eingeengt durch die Kulissen.

Favoriten und auch Außenseiter dabei

Sergej Lazarev aus Russland wird schon mal ein schwerer Stein vom Herzen gefallen sein. Auch Douwe Bob aus den Niederlanden hat seinem Sender eine quotenstarke Show am Samstag beschert. Am überraschendsten ist natürlich, dass Gabriela Gunčíková mit ihrem klaren Gesang den Weg zum Samstag gewiesen bekommen hat. Erstmals ist Tschechien nicht schon im Halbfinale auf der Strecke geblieben: Glückwunsch den Nachbarn! Möge man das in Prag als Zeichen europäischer Integration werten.

Dass Kroatien, Aserbaidschan und Armenien weiterkamen, war auch erwartbar. Aber Österreich? Zoés Delegationsmitglieder waren sich nicht sicher - eine Wackelkandidatin, hieß es vor der Show. Aber durch ihren wirklich sehr, sehr freundlichen Charme hat sie in der Halle den Ohrwurm des Abends dargeboten - und darf zum Lohn noch in Stockholm bleiben.

Was man auch von den Zyprern sagen muss, die gewiss nicht damit rechneten: eine harte, dunkle Nummer ohne mediterranes Flair - aber es ging gut, Europa bestraft nicht, wenn ein Act nicht folkloristische Klischees bedient.

Kofferpacken gehört auch dazu

Umso enttäuschter müssen sich Greta Salóme aus Island, Sandhja aus Finnland oder die griechische Combo Argo sein: Griechenland ist erstmals seit Einführung von Qualifikationsrunden 2004 in Istanbul nicht in die Endrunde gewählt worden. Estlands smarter Jüri Pootsmann muss auch traurig sein - auf den Pressekonferenzen signalisierten ihm viele Fans, wie toll er sei. Ein Trugschluss im großen Ganzen.

Deen aus Bosnien wird auch an das Istanbuler Jahr 2004 zurückdenken: Er, ein Star, schnitt gut ab. Nun muss er nach Sarajewo zurück beziehungsweise in seine Wahlheimat Mailand. Montenegros düstere Nummer von Highway konnte nicht darauf hoffen, als Lordis Wiedergänger gelobt zu werden - auch sie sind, muss man sagen, verdientermaßen raus.

Moldau ist neben Estland der einzige postsowjetische Fleck, der nicht weiterkam - ob es daran lag, dass Lidia Isacs Roboter auf der Bühne sichtbar seine Akkreditierungskarte um den Hals hängen hatte? Und dann San Marino: Serhat wäre im Finale der Hit gewesen - aber das Publikum hatte offenbar keinen Sinn für nostalgische Scherze. Schade, sehr schade.

In diesem Sinne: ein Glas auf Douwe Bob und mehrere auf Tschechien. Die freuen sich wirklich!

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr