Stand: 13.05.16 00:54 Uhr

Feddersens Kommentar zum zweiten Semifinale

Dänemark: Die drei Sänger von Lighthouse X auf der Bühne. © NDR/Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt

Gehören zu den skandinavischen Verlierern des zweiten Halbfinales: die dänische Band Lighthouse X.

Das gab es noch in keinem Jahr zuvor: Bis auf Schweden - das sich als Gastgeberland ja nicht qualifizieren musste - sind alle skandinavischen Länder im Halbfinale auf der Strecke geblieben. Norwegen und Dänemark fügten sich im zweiten Semifinale dem gleichen Schicksal, das im ersten Island und Finnland erlitten hatten - und obendrein der baltische Nachbar Estland. Offenbar hat nun auch Norwegen kein Rezept gefunden, sich Europa zu empfehlen. Diese Angebote - sie waren zu schwach.

Feddersens Kommentar

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Nicht minder irritierend war, dass der Ire Nicky Byrne, ein Schwarm bei weiblichen Hörern vor allem in Großbritannien und Irland, die Koffer packen muss.  Auch Kaliopi, die emotionale Mazedonierin, wird ihr Resultat beweinen. Trotz großer Show - ausgeschieden. Die Schweiz und Weißrussland: Nein, das ging wohl gar nicht.

Bulgarien ist endlich mal wieder im Finale

Die Bulgarin Poli Genova bei ihrem Auftritt im zweiten ESC-Halbfinale. © dpa Bildfunk Foto: Maja Suslin

Im exzentrischen Lederdress und Undercut auf dem Kopf singt sich Poli Genova mit "If Love Was A Crime" in die Endrunde.

Dafür ist erstmals seit 2007 Bulgarien im Finale: Poli Genova wusste das Publikum zu überzeugen mit ihrem Lied. Schön, dass auch sonst nie sehr erfolgreiche Länder mal den Sprung in die höheren Regionen schaffen konnten. Außerdem: Dass Lettlands Justs, der Australierin Dami Im, dem Litauer Donny Montell und der Serbin Sanja Vučić das Weiterkommen gelangen, wird die ESC-Freude in diesen Ländern steigern.

Und außerdem: Die Belgierin Laura Tesoro  und der Pole Michal Szpak sind auch deshalb für das Finale perfekt ausgewählt, weil in beiden Ländern die Eurovisionsbegeisterung nur gelegentlich stark war - und nun durch neuerliche Finaleinzüge gewiss stabilisiert oder erneuert wird.

Die zwei Acts, die in der Halle den stärksten Applaus fanden, als ihre Ländernamen durch Petra Mede und Måns Zelmerlöw genannt wurden, waren in der Tat auch jene, die von vielen als unsichere Finalteilnehmer gehandelt wurden. Nicht, weil sie schlecht eingeschätzt wurden, vielmehr, weil ihre Kunst sich nicht jedem sofort erschließt. Aber Hovi Star aus Israel war so gut in Form, er erwischte sein Momentum mit "Made Of Stars" zur richtigen Zeit, sodass es mit brandendem Beifall kommentiert wurde. Ihm selbst standen offenbar Tränen in den Augen.

Gleiches gilt für die georgische Formation Nika Koscharow & Young Georgian Lolitaz: Das war ziemlich netter Hardrock, das erinnerte vage an Lordi von 2006. Gut, dass sie im Finale dabei ist.

Das schweizerische Desaster

Sängerin Rykka aus der Schweiz auf der Bühne. © NDR/Rolf Klatt Foto: Rolf Klatt

Die Schweizerin Rykka brachte die Televoter und die Jurys mit ihrer lahmen Performance nicht zum Rauchen.

Am wenigsten unerwartet kam, natürlich, die Qualifikation von Jamala aus der Ukraine. Jeder Ton ihrer dramatischen Ballade "1944" saß. Sie wird am Samstag ein gewichtiges Wörtchen um den Sieg mitreden. Beziehungsweise: singen.

Am Samstag sind insofern politisch heikle Kombinationen am Start. Armenien und Aserbaidschan. Russland und die Ukraine. Von den Ländern der früheren Sowjetunion sind bis auf drei alle dabei - Moldau, Weißrussland und Estland sind raus. Aus dem früheren Jugoslawien sind nur noch Serbien und Kroatien dabei, alle anderen dürfen nach Hause fahren.

Und die Schweiz? Muss überlegen, ob es nicht doch Anspruchsvolleres geben könnte - so klappt das nie wieder mit dem Finale.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Eurovision Song Contest | 14.05.2016 | 21:00 Uhr